Im Folgenden sind die Mikronährstoffe aufgeführt, die für die Behandlung der Polyneuropathie/ Neuropathie in Frage kommen können, ohne Anspruch auf Vollständigkeit:

 

Vitamin B1

Vitamin B1 ist von zentraler Bedeutung für den Energiestoffwechsel der Nervenzellen, da diese ihren Energiebedarf ganz überwiegend aus Glukose beziehen. Ein hoher Alkoholkonsum ist sehr häufig mit einer schlechten Vitamin-B1-Versorgung assoziiert. Alkohol bzw. seine Abbauprodukte stören darüber hinaus die Vitamin-B1-Verwertung.

Ein Mangel an Vitamin B1 erhöht das Risiko für verschiedene Folgeerkrankungen des Diabetes mellitus. Die Ursache eines Vitamin-B1-Defizits ist eine stark erhöhte Ausscheidung des Vitamins über die Nieren. Vitamin B1 und seine fettlösliche Form Benfotiamin sind sowohl bei der alkoholtoxischen als auch bei der diabetischen Polyneuropathie erfolgreich eingesetzt worden.

 

Vitamin B6

Vitamin B6 ist besonders für den Stoffwechsel der Proteine und Aminosäuren wichtig. Es kann die Verzuckerung von Proteinen vermindern, die ein Hauptrisikofaktor für die Entwicklung der diabetischen Polyneuropathie ist. Diabetiker mit Polyneuropathie haben häufig niedrige Vitamin-B6-Spiegel und können von einer Supplementierung profitieren. Eine besondere Neuropathie ist das Karpaltunnelsyndrom – es handelt sich um eine chronische Kompression des Nervus medianus an der Hand, die zu Schmerzen und zu Funktionsausfällen der Hand führen kann. Auch bei diesem Krankheitsbild ist eine Vitamin-B6-Therapie hilfreich.

Beim Vitamin B6 ist zu beachten, dass eine langfristige hochdosierte Vitamin-B6-Einnahme auch zu Neuropathien führen kann. Zumindest gibt es dazu mehrere Hinweise.

 

Vitamin B12 

Mit zunehmendem Alter treten immer mehr Probleme mit der Vitamin-B12-Versorgung auf. Bei einem Vitamin-B12-Mangel können bestimmte Stoffwechselreaktionen im Nervengewebe beeinträchtigt sein, z.B. ist die Bildung von Cholin, Sphingomyelin und Lecithin vermindert. 

Außerdem wird Vitamin B12 auch für so genannte Methylierungsreaktionen im basischen Myelinprotein benötigt. Insgesamt kommt es also bei einem Vitamin-B12-Mangel zu Problemen mit der Myelinsynthese- und regeneration. Myelin ist eine sehr fettreiche Biomembran, welche die Fortsätze der meisten Nerven spiralförmig umgibt und elektrisch isoliert.

Es gibt einige Studien, in denen durch eine Vitamin-B12-Therapie eine Besserung der diabetischen Polyneuropathie erreicht wurde. Außerdem scheint Vitamin B12 bei Patienten mit Nierenversagen einen Schutzeffekt gegen Neuropathien auszuüben.

 

Folsäure

Folsäure ist am Vitamin-B12-Stoffwechsel beteiligt. Ein Folsäuremangel kann zu einer Polyneuropathie führen – unabhängig vom Vitamin-B12-Status. Eine unzureichende Folsäureversorgung ist oftmals bei der alkohol-toxischen Polyneuropathie nachweisbar. Eine Polyneuropathie kann durch verschiedene Medikamente ausgelöst werden, die zu einem Folsäuremangel führen, z.B. Methotrexat, Antiepileptika, Sulfalazin, Tuberkulosemedikamente etc. Besonders bei Patienten, die mit Antiepileptika behandelt wurden, zeigten sich Abnormalitäten bei Messungen der Nervenleitgeschwindigkeit. Diese Veränderungen verbesserten sich eindrucksvoll nach einer hochdosierten Folsäuretherapie.

 

Biotin 

Biotin spielt eine wichtige Rolle für die Blutzuckerregulation und kann auch die Behandlung der diabetischen Polyneuropathie günstig beeinflussen. Biotin war auch bei Patienten mit urämischer Neuropathie wirksam, die bei dialysepflichtigen Patienten auftreten kann.

 

Vitamin E

Vitamin E ist das wichtigste fettlösliche Antioxidans, das die Spiegel von freien Radikalen und den oxidativen Stress vermindern kann. Vitamin E wurde erfolgreich zur Behandlung der diabetischen Polyneuropathie eingesetzt. Durch Vitamin E konnte auch die Neurotoxizität der Substanz Cisplatin vermindert werden, einem häufig eingesetzten Chemotherapeutikum. Auch eine Entfernung des Magens kann zu einem Vitamin-E-Mangel führen, wodurch der dann auch eine Polyneuropathie in Gefolge haben kann.

 

Vitamin C

Diabetiker mit Polyneuropathie hatten deutlich niedrigere Vitamin-C-Konzentrationen als Diabetiker ohne Polyneuropathie. Vitamin C vermag die intrazelluläre Sorbitol-Anreicherung zu vermindern. Sorbitol ist ein Alkohol, der zu einer Störung des osmotischen Drucks in der Zelle führt und als wichtiger Verursacher diabetischer Folgeerkrankungen gilt.

 

Arginin

An der Entstehung der diabetischen Polyneuropathie sind auch Funktionsstörungen der Blutgefäße beteiligt. Der Blutfluss in den Nerven ist dann - hauptsächlich durch eine zu hohe Blutzuckerkonzentration hervorgerufen- vermindert. Arginin ist die Ausgangssubstanz für die Bildung des Botenstoffs Stickoxid (NO), der maßgeblich für die Regulierung der Gefäßweite verantwortlich ist. Durch eine Verbesserung der Argininversorgung kann deshalb auch die Durchblutung verbessert werden.

 

Glutamin

Glutamin ist die Aminosäure mit der größten Konzentration im Blutserum. Es spielt eine wichtige Rolle für die Immunkompetenz. Eine hochdosierte Glutaminsupplementierung zeigte in einer Pilotstudie einen deutlichen Schutzeffekt gegenüber den neurotoxischen Effekten des Chemotherapeutikums Paclitaxel.

 

Cystein

Auch die Gabe von N-Acetyl-Cystein konnte die Schädigung peripherer Nerven nach mehreren Chemotherapiezyklen signifikant vermindern.

Cystein ist eine wichtige Ausgangssubstanz für die Bildung von Glutathion. Glutathioninfusionen erwiesen sich als protektiv gegen die neurotoxischen Wirkungen von platinhaltigen Cytostatika.

 

Spurenelemente, Mineralstoffe

Diabetiker haben einen erhöhten Zinkbedarf. Eine Zinktherapie konnte sowohl die Blutzuckerkontrolle wie auch den Schweregrad einer Polyneuropathie verbessern.

Auch ein Chrommangel kann letztlich die Ursache für eine Polyneuropathie sein, da dieser zu einer verminderten Glukosetoleranz führen kann und daraus folgend auch zu Störungen des Nervenstoffwechsels. Beschrieben wurde dies im Zusammenhang mit einer parenteralen Ernährung, die offensichtlich zu wenig Chrom enthielt.

Bei Typ-1-Diabetikern konnte durch eine längerfristige Magnesiumsupplementierung bei guter Stoffwechseleinstellung das Auftreten einer Polyneuropathie verzögert werden.

 

Carnitin, Liponsäure

Acetyl-L-Carnitin unterstützt auf verschiedene Weise den Stoffwechsel der Nervenzelle, z.B. durch Verminderung des oxidativen Stresses, Verbesserung der DNA-Synthese in den Mitochondrien und durch Erhöhung der Konzentration des Nervenwachstumsfaktors in den Nervenzellen.

Bezüglich der Wirkung von Acetyl-L-Carnitin ist in verschiedenen Studien nachgewiesen worden, dass es sowohl bei der diabetischen wie auch bei der medikamentös-toxischen Polyneuropathie mit Erfolg eingesetzt werden kann.

Acetyl-L-Carnitin verminderte die Neurotoxizität der Chemotherapeutika Paclitaxel und Cisplatin.

 

Liponsäure

Für die Alpha-Liponsäure wurde in vielen Studien überzeugend der Nachweis erbracht, dass sie die Symptome der diabetischen Neuropathie vermindern kann. Alpha-Liponsäure kann sowohl als Infusion als auch in Tablettenform verabreicht werden. Es hat antioxidative Eigenschaften, kann Schwermetallionen binden und erhöht die intrazellulären Konzentrationen von Glutathion und Vitamin C.

 

Referenzen:
Kathleen A, Head, ND et al: Peripheral neuropathy: pathogenic mechanisms and alternative therapies; Alternative Medicine Review; Volume 11, Number 4, 2006
LifeExtension; Health Concerns; Neuropathy (Diabetic), 04/25/ 2006

 

 

 

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