Die diabetische Polyneuropathie (PN) ist eine der möglichen Begleiterkrankungen, die bei ca. 50 Prozent der Typ-I- und Typ-II-Diabetikern auftritt. Viele PN-Patienten klagen über veränderte Wahrnehmungen, vor allem im Fuß, wie Schmerzen, Ameisenlaufen, Taubheitsgefühle sowie verminderte Schweißsekretion etc.  Wenn das  autonome  Nervensystem betroffen ist (autonome Neuropathie), kann es  zu Herzrhythmusstörungen, Magenentleerungsstörungen und weiteren Beschwerden kommen, die die Lebensqualität des Betroffenen erheblich beeinträchtigen.
Mit zunehmendem Alter steigt beim Diabetespatienten das PN-Risiko: Ca. 70 Prozent der über 60-Jährigen entwickeln eine Polyneuropathie.

Diabetiker, deren Blutzucker schlecht eingestellt ist, erkranken meist früher und in sehr ausgeprägter Form an einer Polyneuropathie. Neben erhöhten Blutzuckerwerten tragen der bei Diabetes typische Bluthochdruck, ungünstige Blutfettwerte, aber  auch ein Alter über 40 Jahre ebenfalls zur Entwicklung einer diabetischen PN bei. Nicht selten bleibt ein Diabetes über viele Jahre unentdeckt, entsprechend spät wird eine diabetische PN diagnostiziert und umso gravierender kann sich eine PN entwickeln.

Wie kommt es aufgrund einer Diabeteserkrankung zu einer PN?

  • Zucker-Eiweiß-Verbindungen stehen im Verdacht, die Nervenzellfunktionen zu beeinträchtigen.
  • Bei hohen Blutzuckerwerten werden vermehrt Entzündungsstoffe freigesetzt wie Interleucine, Tumornekrosefaktor-Alpha und -Beta, die einen negativen Einfluss auf den Nervenstoffwechsel ausüben.
  • Man geht davon aus, dass eine durch Diabetes ausgelöste Gefäßschädigung eine PN begünstigt, da die Nervenreizweiterleitung beeinträchtigt ist und da die Nervenzellen nicht mehr ausreichend mit Nährstoffen versorgt werden.
  • Wissenschaftler haben jetzt festgestellt, dass das beim Diabetes vermehrt gebildete Zuckerabbauprodukt Methylglyoxal giftig ist und die Nerven schädigt.
  • Die optimale Einstellung des Blutzuckers ist bei der diabetischen PN das A und O und kann in vielen Fällen zu einer Linderung von PN-Symptomen führen. Darüber hinaus ist eine Optimierung der Mikronährstoffversorgung neben der gängigen medizinischen Versorgung eine der sinnvollsten begleitenden Therapiemaßnahmen überhaupt.

 

Mikronährstofftherapie bei Polyneuropathie

Aufgrund der gestörten Stoffwechsellage liegt bei Diabetes häufig ein Mangel an verschiedenen Mikronährstoffen vor, was diabetische Folgeerkrankungen wesentlich begünstigt. Eine ausreichende  Verfügbarkeit an Mikronährstoffen vermag in vielen Fällen die antioxidative Kapazität, die Entzündungsaktivität und die Insulinsensitivität wesentlich zu verbessern.

Die B-Vitamine, insbesondere Vitamin B6 und B12, sind für den Aufbau und für den Schutz der Myelinscheiden der Nervenzellen notwendig. Für die Bildung der Nervenbotenstoffe sind einzelne Aminosäuren von Bedeutung, aber auch Eisen, Vitamin C, B12 und Folsäure.

Vitamin B1 ist eines der wichtigsten Vitamine bei der Behandlung einer Polyneuropathie. Diabetiker haben häufig erniedrigte Thiaminspiegel im Blutplasma, sie scheiden Thiamin vermehrt über den Urin aus. Vitamin B1 ist wesentlich für den Energiestoffwechsel der Nervenzellen, kann Schmerzen lindern, die Nervenleitgeschwindigkeit erhöhen und das Vibrationsempfinden verbessern. Benfotamin, ein lipidlösliches Vitamin-B1-Präparat, hemmt die Proteinglycosylierung.

Auch Alpha-Liponsäue wird in der Orthomolekularen Medizin bei PN gerne eingesetzt:
Die Alpha-Liponsäure hat einen regulierenden Effekt auf den Blutzuckerspiegel. Diabetiker haben häufig einen zu niedrigen Alpa-Liponsäure-Spiegel. Alpha-Liponsäure vermag Schmerzen und Sensibilitätsstörungen zu reduzieren.

Je nach Stoffwechselsituation können verschiedene weitere Biomoleküle einen positiven Effekt auf die Polyneuropathie ausüben, wie folgende Beispiele zeigen:

Italienische Wissenschaftler berichten von zwei Patienten, die einen Vitamin-B12-Mangel mit den klinischen Symptomen einer sensorischen axonalen Neuropathie aufwiesen. Durch eine Vitamin-B12-Therapie konnten die Symptome der Neuropathie vollständig behoben werden

Kuweitische Wissenschaftler konnten in einer Studie an 210 Diabetes-Patienten nachweisen, dass ein Vitamin-D-Mangel tatsächlich ein unabhängiger Risikofaktor für diabetische PN ist. In weiteren Studien sollte jetzt überprüft werden, inwieweit eine Vitamin-D-Therapie den Krankheitsverlauf der PN beeinflusst.

Bei einem entsprechenden  Mikronährstofffmangel können noch weitere Mikronährstoffe zum Tragen kommen wie z.B. Magnesium, Carnitin, Glutamin, Tryptophan, Cystein, Tyrosin, Coenzym Q10, Vitamin E oder Biotin u.a.

Auch wenn die Mikronährstoffmedizin keineswegs Wunder zu vollbringen vermag, ist sie dennoch eine logisch sinnvolle Therapieform, die zumindest in vielen Fällen zu einer Symptomlinderung führen kann.

Wichtig ist, dass eine hochdosierte Mikronährstofftherapie nur aufgrund einer genauen Untersuchung des Blutes durchgeführt wird. Das Diagnostische Centrum für Mineralanalytik und Spektroskopie bietet bei Polyneuropathie eine entsprechende Laboranalyse an und gibt Ihnen gerne weitere Auskünfte: Tel. 09394/ 97030, E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Bild: Katharina bregulla, pixelio.de


Referenz:
  • Muscle & Nerv: Reversible isolated sensory axonal neuropathy due to cobalamin deficiency; Volume 45, Issue 3
  • Shehab D et al.: Does vitamin D deficiency play a role in peripheral neuropathy in Type 2 diabetes? Diabet Med. 2012 Jan; 29(1)43-9.
  • Sigi Nesterenko: So therapieren Sie Polyneuropathie, Rainer Bloch Verlag, 2011.
  • Diabetes-heute.de: Diabetische Polyneuropathie – was tun?
  • Ärzteblatt.de: Diabetische Neuropathie: Warum Zucker zu Schmerzen führt
Zum Seitenanfang